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Steinböcke in der Schweiz: an den Problemen vorbei geforscht Die im jahr 2008 vorgestellte Jagdstatistik des Bundes wartete mit einer äusserst positiven Nachricht auf: noch nie wurden in der Schweiz so viele Steinböcke gezählt wie im Jahr 2007. Nicht viele Jahre davor hatten die Behörden in Sachen Steinbock noch Alarm geschlagen. Nach einigen schneereichen Wintern um die Jahrtausendwende waren die Steinbockpopulationen in den ganzen Alpen nämlich um zehn bis 30% geschrumpft. Schon formulierten Fachleute in den Metropolen die wildesten Hypothesen: geheimnisvolle Krankheiten, minderwertiges Erbgut, Klimawandel... Vermutlich war dieser Aktivismus nicht ganz frei von Hintergedanken. Denn bald betrauten Bund und Kantone „internationale“ Professoren und „multidisziplinäre“ Forschergruppen mit angemessen finanzierten Hightech-Projekten; man sammelte fleissig Genmaterial und stopfte den Tieren Sender in den Magen. Die Spezialisten sollten prüfen, ob die Steinböcke doch nicht bald ein zweites Mal aussterben würden. Nun haben die Tiere die Antwort auf die Frage selbst gegeben, noch bevor sich Forscher einen Überblick über die Grundthematik verschaffen konnten. Die einfachste Antwort, die jedem Bergler einleuchtet. Bei ausserordentlich hohem Schnee bieten mit Wild gut gefüllte Lebensräume den Tieren nur noch ungenügend Nahrung. Ein Wintersterben tritt ein, die Population reguliert sich von selbst. Es sieht also so aus, als wäre in Sachen Steinbock neben den Problemen vorbei geforscht worden. Schlagzeilen lassen sich mit spektakulären Einzeluntersuchungen aber allemal machen. Am 21. Treffen des Gruppo Stambecco Europa in Ceresole Reale im Parco Nazionale Gran Paradiso vom 11. und 12. Dezember 2008 bot sich die Gelegenheit, im Rahmen eines Vortrages den Umweltansatz in die Diskussion einzubringen. Dem von Bafu und Kantonen finanzierten nationalen Steinbockprogramm bleiben bis zum Abschluss zwei Jahre Zeit, um die Rolle der Umwelt für den Rückgang der Steinbockpopulationen zu analysieren. Ansonsten laufen die Forscher Gefahr, keine Antwort auf die Ausgangsfrage geben zu können. Ob man für diese Forschung einen internationalen Professor findet? Gut möglich, dass unterdessen die Steinbockpopulation im Winter 2008-2009 augrund der hohen Schneemengen erneut zurück geht... |